Katzencafé, ich will Dich!

Autor: Astrid Heyer am 17.06.2015

Da stand ich nun mit meiner tollen Idee. Nachdem alle „Wicki-Sternchen der Erleuchtung" in den Himmel aufgestiegen und verblasst waren, musste ich mir überlegen, wie packt man's an. Es steht ja nirgends geschrieben, willst Du ein Katzencafé eröffnen, dann mach es so und so und so...

Als erstes habe ich mir angeguckt, was die Kolleginnen und Kollegen in München, Köln und Berlin so treiben und darüber schreiben - das Internet macht es schließlich möglich. Einem Besuch im Café Schnurrke in Köln konnte ich nicht widerstehen. Ich wollte mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Besonders begeistert hat mich die Atmosphäre dort. Es war sehr ruhig, die Gäste haben sich gedämpft unterhalten, leise Musik im Hintergrund. Und siehe da: bei genauerem Umsehen habe ich drei der vier Katzen entdeckt. Eine bei der Sitzgruppe am Schaufenster schlafend auf der Bank, eine weitere saß aufmerksam und abwartend vor der Küche und die dritte lag schlafend auf einem Stuhl an einem freien Tisch. Das war dann natürlich mein Tisch! Die Hausregeln achtend ließ ich die Mieze ungestört schlafen, im Gegenzug ließ sie mich ungestört mein Frühstück geniessen. Nach einer Stunde stand sie auf, dehnte und reckte sich und fing an, sich ausgiebig zu putzen. Die Chance nahm ich wahr, um ihr zwei drei mal übers Köpfchen zu streicheln. Belohnt wurde ich mit einem kurzen Schnurren, ehe sie sich weiter ans Putzen machte und mich ignorierte. Also habe ich noch einen Kaffee bestellt und ein Stück Schokoladenkuchen dazu. Mein Entschluss nach diesem Besuch stand bombenfest: Das ist es, was ich will! Katzen, Kaffee und Kuchen.

Wieder zu Hause habe ich Kontakt mit den Behörden aufgenommen. Ganz schnell habe ich gelernt, dass die Regeln, die in Köln und München gelten, nicht ausschlaggebend für Niedersachsen sind. Nachdem ich anfangs auf völliges Unverständnis gestoßen bin „Wie kommt man denn auf so eine bescheuerte Idee" - ist es mir nach und nach gelungen, die Bedingungen und Auflagen für ein Katzencafé in Niedersachsen in Erfahrung zu bringen. Auch die gab es ja noch nicht und die Ämter mussten auch „Neuland" betreten:

Zum gewerbsmäßigen Halten von Katzen benötigt man eine Erlaubnis nach § 11 des Tierschutzgesetzes. Dazu ist die persönliche Zuverlässigkeit, die Sachkunde und Erfahrungen in Bezug auf die Haltung von Katzen nachzuweisen.

Die Auflagen, die dann in einer möglichen Erlaubnis festgeschrieben und zu erfüllen wären, sind folgende:

  1. Die Anzahl der Katzen
  2. Die Merkblätter von der Tierärztlichen Vereinigung für den Tierschutz e.V. sind einzuhalten
  3. Die Katzen müssen jederzeit die Rückzugsräume jederzeit ungehindert erreichen können
  4. Erhöhte Liegeflächen, Kratzbäume,
  5. Quarantänemöglichkeit
  6. Führung eines Tierbestandsbuches
  7. Nur kastrierte Katzen
  8. Nur offensichtlich gesunde, unverletzte, gut genährte und im Verhalten ungestörte Katzen. Auf Verträglichkeit der Katzen untereinander ist zu achten.
  9. Vor Aufnahme von Katzen in die Betriebsstätte und mindestens einmal jährliche tierärztliche Untersuchung aller Katzen. Durchführung der gängigen Katzen-Impfungen.
  10. Kranke und verletzte Tiere sind abzusondern.
  11. Absicherung gegen unkontrolliertes Entweichen
  12. Materialien, auf denen sich die Katzen aufhalten müssen leicht zu reinigen und zu desinfizieren sein. Textilien sollten bei 90°C waschbar sein.
  13. Ausreichend Futter und Wassernäpfe und pro Katze mindestens eine Katzentoilette- Tägliche Reinigung, bei Bedarf Desinfektion.
  14. Konzept zur Vermeidung des Angebotes nicht artgerechten Futters durch Gäste.
  15. Kinder nur Kontakt zu Katzen unter Aufsicht.
  16. Die Mitnahme von Hunden in das Café ist zu untersagen.

Lebensmittelrechtlich muss gewährleistet sein, dass die Katzen nicht in die Küche gelangen können und das Küchenpersonal keinen Kontakt zu den Tieren haben darf.

Darüber hinaus muss ausgeschlossen werden, dass die Lebensmittel nachteilig beeinflusst werden, z. B. durch Katzenhaare. Insofern muss gewährleistet sein, dass keine Haare in die Küche gelangen können (z. B. durch einen Vorflur) oder die Lebensmittel beim Bedienungsvorgang mit Haaren verunreinigt werden können. Hierbei wäre ein Schutz, z. B. durch eine Abdeckung mittels Haube, denkbar.

Soweit - so gut.

Dann fehlt nur noch ein geeignetes Lokal. Zentral und doch irgendwie bezahlbar soll es sein, groß genug, dass die erforderlichen Nebenräume (Windfang, Vorflur, Rückzugs- und Quarantäneraum) unterzubringen sind und trotzdem auch Gäste noch Platz haben. Man braucht einen Vermieter, der sich für die aussergewöhnliche Idee erwärmen kann. Man muss das nötige Geld auftreiben, um den Umbau und Einbau der erforderlichen Maßnahmen bewerkstelligen zu können und das Café dann noch einrichten zu können. Auch das ist schließlich gelungen - nicht zuletzt mit Hilfe meiner Familie, der ich sehr dankbar für die Unterstützung bin.

Man hat nun einen wohlwollenden Vermieter, die Auflagen und Erfordernisse vom Gesundheits- und Veterinäramt alle im Blick und dann geht's an die Umsetzung. Hab ich gedacht. Aber so einfach ist das nicht. Bevor man umbauen kann, muss man einen Bauantrag stellen! Um einen Bauantrag stellen zu können, braucht man einen Architekten oder Bauingenieur - einen Fachmann halt. Viele Pläne und Anträge und Monate später gibt es dann eine Genehmigung. Auch wieder mit Auflagen. Aber das schockt nun nicht mehr. Wir leben in Deutschland und hier hat halt alles seine Ordnung - und sein Amt.

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