Distanz und Nähe

Autor: Astrid Heyer am 18.06.2015

Im Prinzip kann man die verbalen und nonverbalen Äußerungen von Katzen in zwei Bereiche unterteilen: Mitteilungen, die den Abstand oder die Distanz zu anderen Lebewesen (und dazu zählen auch wir) vergrößern sollen und Botschaften, die den Kontakt und die Nähe zu anderen fördern sollen.

Jeder Mensch und jede Katze hat um sich herum einen individuellen persönlichen Raum, den man respektieren sollte. Ich persönlich mag es jedenfalls nicht, wenn ein Fremder oder eine flüchtige Bekannte uneingeladen meinen persönlichen Bereich verletzt, in dem er oder sie mich spontan in den Arm nimmt. Ich werde stock-steif und ich schiebe die Person mit sanften Druck weg, raus aus meiner Sicherheitszone. Lieber würde ich mich mit einem harschen Wort oder einer Ohrfeige verteidigen, aber ich bin ja gut erzogen. Bei Menschen geht man in der Regel davon aus, dass dieser Raum ungefähr eine Armeslänge ausmacht. Eine Begrüßung mit Handschlag (und ausgestrecktem Arm) respektiert diese Zone.

Bei Katzen kann dieser Raum einen oder auch mehrere Meter betragen, je nach Persönlichkeit. Diese Distanz und unsichtbare Grenze wird im allgemeinen respektiert und wenn eine andere Katze sie unterschreiten will oder muss, zum Beispiel, um in Kontakt zu liegen oder an einem engen Durchgang, fragt sie höflich nach, ob es erlaubt ist. Wer ungefragt und unhöflich in den Distanzbereich eindringt oder ihn durchquert, bekommt ein Fauchen oder einen Pfotenhieb.

Das „Fragen" besteht in einer langsamen Annäherung und einem leichten Senken des Kopfes. Die Katze, die den Durchgang blockiert, wendet den Kopf ganz kurz ab und gibt damit den Weg frei. Die vorbeigehende Katze hebt meistens für einen ganz kurzen Moment und verlässt den persönlichen Bereich wieder. Holly macht das geradezu vorbildlich, zumindest beim alteingesessenen Senior. Havanna und Hiro vergessen manchmal den gebührenden Respekt und ernten dafür den ein oder anderen Faucher und Pfotenhieb.

Auch beim Kontaktliegen kommt es auf Langsamkeit und Höflichkeit an - es ist möglich, der anderen Katze auf den Bauch zu steigen, nur langsam genug muss es sein. Bei unwilligem Schnaufen, Knurren oder Fauchen verhalten sich höfliche soziale Katzen ganz still, beschwichtigend und unbeweglich, um dann neuerlich und zielstrebig den Kontakt zu suchen.

Schade, dass diese kurzen, fast unmerklichen Signale und Reaktionen immer so schnell geschehen. Bis ich endlich meinen Fotoapparat gezückt habe, sind sie meist schon Geschichte. Aber Kuschelfotos hab ich dafür ohne Ende ;-)

Kontaktliegen