Ich seh dich nicht - also bist du nicht

Autor: Astrid Heyer am 20.06.2015

Körpersprache, Gesten und Mimik von Katzen

Untereinander verständigen sich Katzen überwiegend mit Körpersprache und Gerüchen.
Die Haltung von Kopf, Körper und Schwanz ist sicherlich am auffälligsten und schon auf große Distanz sichtbar. Die Bedeutung sozusagen zwischen den Zeilen, die Feinabstimmung, wird sichtbar an der Stellung der Ohren und Barthaare, die Größe und Form der Pupillen, an der Haltung des Schwanzes sowie an dem Fell, liegt es glatt an oder steht es gesträubt ab.

Bei der Beobachtung kommt es sehr oft auf die ganz feinen, subtilen Signale an. Und manchmal kann man die Aussage einer Katze erst an der Antwort der anderen Katze erkennen. Hier ein kleines Beispiel: Benni der Senior liegt entspannt auf dem Sofa. Havanna springt auch hinauf und legt sich allzu schwungvoll direkt daneben. Benni reagiert mit Fauchen. Zuerst habe ich mich gewundert über meinen herzallerliebsten Senior. Es das jetzt eine beginnende Altersbosheit? Warum ist er so aggressiv? Die Kleine will doch nur kuscheln... Beim genaueren Hinsehen wurde mir jedoch bewusst, dass das Fauchen eine defensive Reaktion war. Benni hat sich seitlich weggeduckt beim Fauchen. Die „aggressive" Botschaft von Havanna bestand allein darin, ungebeten und unhöflich in den persönlichen Distanzbereich von Benni einzudringen.

Das veranlasste mich, die verschiedenen Emotionen und körperlichen Anzeichen oder Lautäußerungen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Interesse:
Die Körperhaltung ist entspannt. Der Kopf zugewandt und die Ohren aufgestellt. Vielleicht bewegen die Ohren sich auch seitlich hin und her, damit sie die Umgebungsgeräusche besser wahrnehmen und zuordnen kann. Wenn etwas ihre Aufmerksamkeit erregt hat oder auch im Spielgeschehen, werden die Ohren nach vorn gespitzt und die Schnurrhaare in alle Richtungen nach vorn gesträubt, um nur ja nichts zu verpassen. Die Schwanzspitze zuckt hin und her, unentschlossen zwischen „soll ich" oder „soll ich nicht". Wenn sie dann anfängt, auf den Hinterbeinen hin und her zu wackeln, ist sie sprungbereit.

Desinteresse:
Wenn eine Katze den Kopf abwendet, bedeutet das im besten Fall Desinteresse. Ich seh dich nicht - also muss ich mich mit dir auch nicht auseinandersetzen. Es kann aber auch bedeuten: Kümmere dich um deinen eigenen Kram und lass mich in Ruhe! Dem sollte man auch Folge leisten. Diese Katze anzufassen würde bedeuten, ein unnötiges Risiko einzugehen. Bei Missachtung dieser Geste wird sie - je nach Temperament und Aggressionspotential oder Grad der Bedrängnis - aufstehen und gehen oder Fauchen und einen Pfotenhieb austeilen.

Angst:
Ängstliche Katzen versuchen, sich möglichst klein zu machen und kauern sich zusammen. Insbesondere beim Tierarzt wird der sonst so selbstbewusste Benni zur Memme. Die zusammengekauerte Haltung, seitlich flachgelegte Ohren, angelegter Schnurrbart und eingezogener Schwanz bedeuten, dass er sich möglichst unsichtbar machen möchte. Große Pupillen mit starrem Ausdruck und weit aufgerissenen Augen, vielleicht sogar Schwitzepfötchen, gehören ebenfalls in das Angstrepertoire der Körpersprache.
Um einen Gegner zu beschwichtigen und nicht weiter herauszufordern, werden Katzen quasi beweglungslos und verharren in dieser Starre, bis sie sich trauen, den gefährlichen Bereich im Zeitlupentempo zu verlassen.

Aggression:
Bei kampfbereiten Katzen ziehen sich die Pupillen zu schlitzen zusammen. Aber Achtung: dieses Merkmal allein macht kein aggressives Verhalten sichtbar. Auch helle Sonneneinstrahlung führt dazu, dass sich die Pupillen zu Schlitzen verengen können. Der Gesamteindruck der Katze ist zu berücksichtigen: hoch aufgestellter Körper, um den Gegner zu beeindrucken, ein aufgestellter Haarkamm, die Ohren schräg nach hinten gestellt, den Schwanz wie ein U mit der offenen Seite nach unten gestellt ist eine eindeutige Drohhaltung, die man ernst nehmen sollte. Begleitet wird diese Haltung durch eindringliches Starren - ohne zu Blinzeln. Wer den Blickkontakt zuerst abbricht, schleicht sich in der Regel von dannen, um einem Kampf auszuweichen.

Verteidigung:
Falls eine Katze sich bedrängt fühlt, aber sich nicht davon schleichen kann, bleibt nur die Verteidigung. Dazu legt sie sich seitlich oder auf den Rücken und hat nun 18 geschärfte Waffen zur Verteidigung. Irrtümlich habe ich das mal als Unterwerfung verkannt, wie sie bei Hunden vorkommt. Aber Katzen sind eben keine Hunde. Zum Glück heilt die Zeit auch Katzen-Kratzer.

Ich weiß nicht so recht:
Hin- und her gerissen sein zwischen Angst und Kampfbereitschaft erkennt man bei der Katze am Buckel. Ein bisschen Angst „wer bist du und was willst du von mir", was eigentlich zum zusammenkauern führen würde, gepaart mit einer Drohgebärde (sie macht sich möglichst groß und stellt sich quer) führt zu einem innerlichen Konflikt, der sich im sprichwörtlichen Katzenbuckel äußert. Auch die hin und her zuckende Schwanzspitze ist ein körperlicher Ausdruck dieses Konfliktes. Interessant finde ich, dass selbst die Stubentiger, die als Geschwister miteinander aufgewachsen sind, sich gegenseitig anbuckeln, wenn sie sich in der Dämmerung überraschend im Flur begegnen. Sie nähern sich dann vorsichtig, quergestellt und mit Buckel. Einmal kurz beschnuppert, Bruder oder Schwester erkannt, und dann sichtlich entspannter seiner Wege gehen. Offensichtlich können sie besser riechen als sehen.